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Sozialpädagogische Betreuung

Die sozialpädagogische Betreuung der Patienten und ihrer Familien fängt bereits vorklinisch mit der Planung der Geburt, Informationen zum neonatalen Drogenentzugsprojekt und festen, schriftlichen Vereinbarungen zum Ablauf und Informationsaustausch an.

Entweder aus eigenen Stücken, über den behandelnden Frauenarzt, den substituierenden Arzt oder zumeist über eine(-n) Mitarbeiter(-in) der beiden Drogenhilfeeinrichtungen der Stadt, tritt die werdende Mutter in Kontakt mit der/dem Sozialarbeiter(-in) oder dem verantwortlichen Arzt des Projektes. Beide treffen sich in angemessenem Abstand zur anstehenden Geburt, zu einem ersten informativen Gespräch (Mutter, Lebenspartner und Vertrauensperson, meist Streetworker). Hierbei wird kurz die medizinische Problematik eines neonatalen Drogenentzuges, die Verantwortlichkeit der Kinderklinik für das Wohl des Kindes, auch über den stationären Aufenthalt hinaus, die zu schaffenden Voraussetzungen für eine Entlassung in die leibliche Familie oder eine Therapieeinrichtung und das pflegerische Vorgehen erläutert. Es wird versucht mit den Müttern wichtige Punkte wie finanzielle Versorgung, Wohnungssituation, Beikonsum und medizinische Risikofaktoren für Mutter und Kind zu klären. Ganz wichtig für die spätere Arbeit mit Müttern und Vätern ist das frühzeitige Einholen einer Schweigepflichtentbindung für die beteiligten Institutionen, auch über den Tag des stationären Aufenthaltes hinaus, d.h. für Nachsorge und psychosoziale Betreuung.

Bei Frauen, die nicht an einem Substitutionsprogramm teilnehmen, wird versucht, die Mütter zu überzeugen, zum Wohl ihrer selbst und dem ihrer Kinder, Kontakt zu einer entsprechenden Drogenambulanz aufzunehmen. Hierbei ist die Kinderklinik durch persönliche Kontakte zu den substituierenden Kollegen und den Streetworkern meist erfolgreich. Die Mütter, teilweise auch ihre Partner, können sich wieder verstärkt um den Teil ihres Lebens kümmern, der Zeit lässt für Hygiene, regelmäßige Nahrungsaufnahme und die sinnvolle Gestaltung ihres Tagesablaufs (Feste Aufsteh- und Mahlzeiten, Behördengänge, Arztbesuche, Wiederaufnahme sozialer Kontakte außerhalb der Szene). Gemeinsam mit den Kollegen der substituierenden Ambulanz und der Drogenhilfe wird mit der Familie die Option einer Therapie bzw. eines Entzuges im Anschluss an den stationären Aufenthalt des Kindes besprochen, um bereits im Vorfeld diese Absicht zu prüfen und entsprechend zu unterstützen.

Falls nicht schon Kontakt zur Frauenklinik bestanden hat, wird dieser mit der Mutter/den Eltern besprochen und ein fester Termin zur Vorstellung vereinbart. Im weiteren wird mit dem verantwortlichen Kreissaaloberarzt die vorgeburtliche Diagnostik geplant und durchgeführt, das geburts-hilfliche Vorgehen festgelegt und das Management entsprechender individueller Risikofaktoren besprochen.

sozialpaedagogische_betreuung_01Nach Aufnahme des Neugeborenen in der Kinderklinik findet mit der Mutter –meist noch am Wochenbett- ein weiteres informatives Gespräch zum bevorstehenden Programm und den gegenseitigen Erwartungen statt. Hierzu werden bereits entsprechende Vereinbarungen ausgehändigt und von Eltern und Klinikpersonal in einer Art Vertrag unterzeichnet. Die Vereinbarungen werden als für alle verbindlich deutlich gemacht. Änderungen werden nur als Ausnahme und in Absprache mit der Bezugsschwester bzw. dem ärztlichen Personal vorgenommen. Sie müssen in jedem Fall schriftlich festgehalten werden. Es wird hierzu ein Besuchs- und Versorgungsprotokoll angelegt, welches von beiden Seiten eingesehen werden kann. Telefon- bzw. Handynummern werden ausgetauscht.Um den Müttern die Versorgungsrunden zu erleichtern, kann bereits jetzt eine Aufnahme in das Ronald-Mc-Donald Haus beantragt werden.

Nach Entlassung der Mutter aus der Frauenklinik wird das Kind aus dem Perinatalzentrum auf die Neugeborenenstation in der Kinderklinik verlegt. Innerhalb einer Woche, wird dann ein Termin für die erste Helferkonferenz vereinbart.

sozialpaedagogische_betreuung_02Der persönliche Kontakt und die Vereinbarung fester Ansprechpartner beim Jugendamt, den Drogenhilfeeinrichtungen der Stadt und den substituierenden Ambulanzen (e-mail/FAX-Verteiler, Kontaktaufnahme über die jeweilige Teamleitung, individuelles Fall- oder Wohnortverteilungs-Prinzip) machen solch kurzfristige Termine nahezu immer möglich. Die Planung der Konferenz ist zu diesem Zeitpunkt bereits in vollem Gange, da durch Anamneseerhebung und Zielabsprachen in den Vorgesprächen schon zahlreiche Informationen vorhanden sind. Wir haben für die erste Helferkonferenz eine Art Checkliste erstellt, anhand derer eine vollständige Erfassung aller relevanten Daten, eine Einschätzung der persönlichen und sozioökonomischen Situation und die Zielvereinbarungen für den weiteren stationären Aufenthalt erfolgen kann.

Checkliste Helferkonferenz

Die Eltern werden im Folgenden über anstehende Behördengänge und Ziele der finanziellen und sozialen Sicherung informiert und bei schwierigen Fragestellungen beraten und unterstützt. Es ist keinesfalls sinnvoll sie vollständig von diesen Aufgaben zu befreien, da sie einen Großteil der Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit widerspiegeln. Es werden des weiteren konkrete Termine mit dem Jugendamt und/oder der pflegerischen Nachsorge vereinbart

Als dann beginnen wir mit der Umsetzung der Vereinbarungen, d.h. der zunehmenden Einbindung der Eltern in deren Verantwortung für das gesundheitliche und soziale Wohl ihres Kindes. Ziele, Aufgaben und Erläuterungen hierzu wurden bereits beim Zweitkontakt in der Frauenklinik in schriftlicher Form ausgehändigt und unterzeichnet.

Umsetzung der Vereinbarungen

In den folgenden Wochen (in der Regel 4-6-8 Wochen) haben die Eltern die Möglichkeit, die beteiligten Institutionen davon zu überzeugen, ihrem Kind einen angemessenen Rahmen für eine weitgehend normale und ungefährdete Zukunft gewährleisten zu können. Hierbei können die gute Vernetzung und die persönlichen Kontakte zwischen den beteiligten Institutionen in Zusammenhang mit der Schweigepflichtentbindung ein entscheidender Faktor bei der zügigen Installation von Hilfen, Wohnraum und Anschlusstherapien der Eltern sein. Sie können aber auch Informationen über das weitere Konsumverhalten, anhaltende Kontakte zur Szene, Zuverlässigkeit in der Substitution und psychosozialen Betreuung und über das Weiterkommen in der Sicherung der wohnlichen, finanziellen und tagesstrukturellen Situation geben und somit auch negativen Einfluss auf den Verbleib des Kindes in der Ursprungsfamilie haben.

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