Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

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10. ArzneimittelallergienLinie Kapitelüberschrift
10. Arzneimittelallergien
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Neben erwünschten Wirkungen können Arzneimittel leider auch unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Etwa 5% bis 10% aller unerwünschten Reaktionen auf Arzneimittel sind allergischer Natur. Bei Kindern und Jugendlichen rufen Hautausschläge im Zusammenhang mit der Einnahme eines Antibiotikums am häufigsten den Verdacht auf eine Medikamentenallergie hervor. Dieses Kapitel will Ihnen Informationen zu den ver-schiedenen Symptomen, den Ursachen und der Behandlung einer Arzneimittelallergie und anderer Arzneimittelunverträglichkeiten geben.

 

Der dreijährige Michael muss wegen einer heftigen Mittelohrentzündung einen Amoxicillin-Saft einnehmen. Nach zwei Tagen geht es ihm bereits deutlich besser. Nach einer Woche bemerkt Michaels Mutter einen Hautausschlag zunächst im Brustbereich, der sich innerhalb eines Tages auf den ganzen Körper ausbreitet. Michael kratzt sich gelegentlich, ansonsten geht es ihm gut. Die Mutter bringt Michael wieder zum Kinderarzt und ist besorgt, ob der Junge nicht eine Penicillinallergie entwickelt haben könnte. Michael wird gründlich untersucht. Der Kinderarzt kann die Mutter beruhigen. Es handle sich um einen so genannten Amoxicillinausschlag, der sich in etwa 5 bis 10% aller Behandlungen mit diesem ansonsten sehr gut verträglichen Präparat entwickle. Der Ausschlag sei harmlos und habe mit einer ernstzunehmenden Penicillinallergie nichts zu tun.

 

10.1 Welche Formen der Arzneimittelunverträglichkeit gibt es?
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Der Begriff Arzneimittelunverträglichkeit umfasst alle unerwünschten Reaktionen auf Arzneimittel allergischer und nichtallergischer Natur. Dahinter verbergen sich eine Vielzahl verschiedener Symptome und Ursachen, welche unterschiedliche diagnostische Schritte und Behandlungen erfordern. Als erste praktische Einteilung hat sich die Unterscheidung vorhersehbarer von unvorhersehbaren Reaktionen bewährt.

10.1.1 Vorhersagbare Reaktionen

Vorhersehbare Reaktionen auf Arzneimittel treten bei ansonsten gesunden Patienten auf. Sie sind von der Dosis des Medikaments abhängig und durch bekannte Arzneimittelwirkungen zu erklären. Medikamente haben ein therapeutisches Fenster: eine zu niedrige Dosis hat keine Wirkung, eine zu hohe Dosis kann neben erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Zu den vorhersehbaren Reaktionen gehören:

Diese und andere unerwünschten Wirkungen sind ausführlich mit den zu erwartenden Häufigkeiten auf dem Beipackzettel angegeben.

10.1.2 Unvorhersehbare Reaktionen (= Überempfindlichkeitsreaktionen)

Unvorhersehbare Überempfindlichkeitsreaktionen treten nur bei besonders dazu veranlagten Personen auf. Sie sind von der Dosis unabhängig und nicht durch die normale pharmakologische Wirkung des Medikaments zu erklären. Dazu zählen:

10.2 Welche Symptome können auftreten?
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Eine Medikamentenüberempfindlichkeit kann sich unabhängig vom auslösenden Mechanismus prinzipiell an allen Organen abspielen. Besonders häufig betroffen ist die Haut in Form von Hautausschlägen unterschiedlichster Form und Ausdehnung. Bei schweren Allgemeinreaktionen reagieren auch die Bronchien und das Kreislaufsystem in Form von Atemnot und Kreislaufkollaps mit (= Anaphylaxie, siehe auch Pfeil Kapitel 19). Selten kommt es zu einem Abbau von roten Blutkörperchen bzw. Blutplättchen oder zu anhaltendem Fieber, das erst verschwindet, wenn das Medikament abgesetzt wird (Medikamentenfieber). Daneben können spezielle Überempfindlichkeitsreaktionen an Lunge, Leber und Niere ablaufen.

10.3 Arzneimittelbedingte Hautausschläge
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10.3.1 Der Amoxicillinausschlag

Der Amoxicillinausschlag ist einer der häufigsten medikamentenbedingten Hautausschläge im Kindesalter. Er tritt bei etwa 5 bis 10% der Personen auf, welche dieses Breitspektrumpenicillin einnehmen. Bei Patienten mit Pfeifferschem Drüsenfieber (= infektiöse Mononukleose oder EBV-Infektion), die Amoxicillin bekommen, zeigt er sich sogar in einer Häufigkeit von bis zu 90%. Er äußert sich meist in roten Flecken und kleinen roten Knötchen, die in der Regel erst gegen Ende der ersten Behandlungswoche oder später auftreten und sich auf den gesamten Körper ausdehnen können. Der Amoxicillinausschlag kann zwar eindrucksvoll aussehen und jucken, ist aber nicht gefährlich. Er entsteht durch das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Infektionserregern und dem Medikament. Die Diagnose wird durch die Vorgeschichte, den körperlichen Untersuchungsbefund und den Krankheitsverlauf gestellt. Da es sich um keine echte Allergie handelt, gibt es keinen zuverlässigen Haut- oder Bluttest zur Diagnosesicherung.

10.3.2 Welche Arzneimittelausschläge sind gefährlich?

Auch bei anderen Antibiotika treten immer wieder Hautausschläge auf, sodass entschieden werden muss, ob eine echte Allergie, eine gleichzeitig bestehende Virusinfektion oder das Zusammenwirken von Virusinfektion und Antibiotikum ursächlich ist. Hautausschläge durch Medikamente gegen Krampfanfälle sind meist ernster Natur. Immer wenn neben Hauterscheinungen auch Symptome an anderen Organen wie Atemnot oder Kreislaufschwäche oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes auftauchen, sollten Sie rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ebenso wenn sich an der Haut oder den Schleimhäuten Blasen bilden.

10.4 Wie diagnostiziert man eine Arzneimittelallergie?
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Eine gründliche Abklärung ist wichtig, da eine nicht erkannte Arzneimittelüberempfind-lichkeit bei erneuter Gabe zu schweren Reaktionen führen kann, oder aber eine falsche Verdachtsdiagnose zu einer ungerechtfertigten Einschränkung der Therapiemöglichkeiten führt. Letzteres ist häufig bei der Verdachtsdiagnose "Penicillinallergie" der Fall.

Die Diagnosestellung erfolgt in folgenden Schritten:

10.5 Behandlung von Medikamentenallergien
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Folgende Maßnahmen sind erforderlich:

10.6 Vorbeugung von Arzneimittelallergien
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Folgende Maßnahmen sind sinnvoll:

10.7 Zusammenfassung
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Der Begriff Arzneimittelunverträglichkeit umfasst alle unerwünschten Reaktionen auf Arzneimittel allergischer und nichtallergischer Natur. Vorhersehbare Reaktionen treten bei ansonsten gesunden Patienten auf. Sie sind von der Dosis des Medikaments abhängig und durch bekannte Arzneimittelwirkungen zu erklären. Unvorhersehbare Überempfindlichkeitsreaktionen treten nur bei besonders dazu veranlagten Personen auf. Hierzu zählt auch die Medikamentenallergie. Sie wird durch eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf das Medikament selbst oder ein im Körper entstandenes Abbauprodukt des Medikaments verursacht. Bei Kindern und Jugendlichen kommen die meisten Überempfindlichkeitsreaktionen auf Medikamente in Form von Hautausschlägen im Rahmen einer antibiotischen Behandlung vor. Der häufigste Auslöser ist das Amoxicillin. Diese Hautausschläge sind jedoch meist harmlos. Immer wenn jedoch neben Hauterscheinungen auch Symptome an anderen Organen wie Atemnot oder Kreislaufschwäche oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes auftauchen, sollten Sie rasch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ebenso wenn sich an der Haut oder den Schleimhäuten Blasen bilden. Für die meisten Medikamente gibt es leider keine zuverlässigen Blut- oder Hauttests zur Allergietestung, sodass im Zweifelsfall ein Provokationstest durchgeführt werden muss.

 

© Dr. P.J.Fischer - pina 8/2002 - 6/2009
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