Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

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12. Allergieauslöser näher betrachtetLinie Kapitelüberschrift
12. Allergieauslöser näher betrachtet
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In Pfeil Kapitel 1 haben Sie einen Überblick über die häufigsten Allergieauslöser (= Allergene) bekommen, in Pfeil Kapitel 7 konnten Sie sich über Nahrungsmittelallergene informieren. In diesem Kapitel sollen Pollen, Milben, Tiere, Schimmelpilze, Ficus und Latex näher besprochen werden. Sie werden erfahren, wo diese Allergene häufig anzutreffen sind, welche Eigenschaften sie haben und wie man sich vor ihnen schützen kann.

12.1 Pollen
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12.1.1 Was sind Pollen?

Pollen (= Blütenstaub) sind bei höheren Pflanzen die Träger des männlichen Erbguts. Sie können jahreszeitlich wechselnde Beschwerden wie Heuschnupfen (siehe Pfeil Kapitel 4.4), allergische Bindehautentzündung (siehe Pfeil Kapitel 8.1), Asthma bronchiale (siehe Pfeil Kapitel 5.4) sowie Schübe einer Neurodermitis (siehe Pfeil Kapitel 6.2) auslösen. Der Blütenstaub wird nicht nur von den Bienen transportiert, sondern auch durch den Wind aufgewirbelt und unter Umständen kilometerweit durch die Luft getragen. Windbestäubte Pflanzen müssen zur optimalen Pflanzenvermehrung große Pollenmengen produzieren, welche sich gleichmäßig in der Luft verteilen und möglichst lange schweben können müssen. Die Pollenzahlen sind enorm: Eine Roggenähre enthält etwa 4,2 Millionen Pollenkörner, ein Haselnussstrauch ungefähr 600 Millionen. Bis zu einer Höhe von 1000 Metern sind Pollen regelmäßig anzutreffen, in 5000 Metern Höhe praktisch nicht mehr.

Abbildung 12-1: Verschiedene Pollenkörner unter dem Elektronenmikroskop
Abbildung 12-1: Verschiedene Pollenkörner unter dem Elektronenmikroskop
(Wegerichpolle, Birkenpolle, Roggenpolle)

Die Pollenkörner haben meist rundliche oder ovale Formen (siehe Pfeil Abbildung 12-1) und besitzen zum Schutz des Erbguts zwei Hüllen. Allergieauslösend sind Eiweißbestandteile im Inneren der Pollenkörner, welche nach einem Kontakt mit den Schleimhäuten von Nase oder Auge freigesetzt werden. Umweltschadstoffe wie Dieselruß können Pollen "klebriger" machen und die Freisetzung des allergenen Materials aus dem Inneren der Pollen fördern. Die meisten Pollen haben eine Größe zwischen 8 und 100 µm. Ab einer Größe von über 10 µm werden sie (bei Nasenatmung!) zum größten Teil in der Nase abgefangen und gelangen nicht mehr in die Bronchien.

12.1.2 Wann ist der Pollenflug am stärksten?

Abbildung 12-2: Pollenflugkalender
Abbildung 12-2: Gesamtdeutscher Pollenflugkalender (regionale Pollenflugkalender unter www.pollenstiftung.de)

12.1.3 Welche allergologische Bedeutung haben die verschiedenen Pollenarten?

Die allergologische Bedeutung der einzelnen Pollenarten ist sehr unterschiedlich. Durch ähnliche Strukturen im allergieauslösenden Eiweißmaterial kann es zu Kreuzallergien zwischen verschiedenen Pollen kommen. Kreuzallergie bedeutet, dass man nicht nur auf das Allergen, das zur Sensibilisierung geführt hat, allergisch reagiert, sondern auch auf andere Allergene mit ähnlichem Aufbau. Dies gilt sowohl innerhalb einer Pflanzenfamilie, z.B. verschiedenen Gräsern, als auch zwischen unterschiedlichen Pflanzenfamilien, z.B. zwischen Kräuterpollen und Gewürzen oder Pollen und Obst.

Es können drei Hauptquellen von Pollen mit verschiedenen Flugzeiten unterschieden werden:

Bäume

Die allergologisch bedeutungsvollsten Bäume in Mitteleuropa sind:

Nadelbäume lösen trotz großer Pollenmengen nur selten allergische Reaktionen aus, da ihre Pollen sehr groß sind und nicht inhaliert werden.

Gräser- und Getreidepollen

Gräser- und Getreidepollen haben eine hohe Kreuzallergierate durch ähnliche Antigenstrukturen und werden daher gemeinsam besprochen. Die wichtigsten Arten sind:

Kräuter

Die allergologisch wichtigsten Kräuter sind:

12.1.4 Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln

Zwischen Pollen und Nahrungsmitteln kann eine Vielzahl von Kreuzallergien bestehen. Sie äußern sich überwiegend als sogenanntes orales Allergiesyndrom mit juckenden und brennenden Beschwerden im Mundbereich, insbesondere wenn das entsprechende Nahrungsmittel roh genossen wird. Wichtige Kreuzallergien sind:

12.1.5 Ratschläge für Pollenallergiker

Eine vollständige Vermeidung des Pollenkontaktes ist für den Pollenallergiker natürlich unmöglich, da Pollen kilometerweit durch die Luft getragen werden und somit praktisch allgegenwärtig sind. Da sich etwa ein Drittel der außerhäuslichen Pollenkonzentration auch im Haus findet und auch einmal gelüftet werden muss, nützt es auch nichts, nur den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Dies gilt vor allem auch für Kinder mit ihrem enormen Bewegungsdrang. Es gibt jedoch einige wichtige Regeln, die den Pollenkontakt einzuschränken imstande sind:

Maßnahmen zur Reduktion des Pollenkontaktes

Weitere Behandlungsmaßnahmen bei Pollenallergien

12.1.6 Zusammenfassung

 

Pollen (=Blütenstaub) sind bei höheren Pflanzen die Träger des männlichen Erbguts und werden vom Wind kilometerweit durch die Luft getragen. Sie haben eine Größe von 8 bis 100 µm und meist eine rundliche oder ovale Form. Das allergieauslösende Material befindet sich im Inneren der Pollen. Pollen können vor allem Heuschnupfen und ein allergisches Asthma bronchiale auslösen, daneben auch zu einer Ekzemverschlechterung bei Neurodermitis führen. Die wichtigsten Pollenquellen sind Bäume, Gräser und Getreide sowie Kräuter. Es können Kreuzallergien zu Obst und Gewürzen bestehen. Der Pollenflug unterliegt tages- und jahreszeitlichen Schwankungen. Die Hauptpollenflugzeiten können Pollenflugkalendern oder den Pollenwarndiensten entnommen werden. Durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen kann man den Pollenkontakt zwar nicht ganz ausschalten, jedoch zumindest reduzieren.

 

12.2 Milben
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12.2.1 Was sind Milben?

Milben sind mikroskopisch kleine Lebewesen von 0,1 bis 0,5 mm Größe, welche weltweit verbreitet sind (siehe Pfeil Abbildung 12-3). Milben gibt es in mehr oder weniger großer Anzahl weltweit in jedem Haushalt außer im Hochgebirge, im arktischen Raum und in Wüsten. Nicht die Milben selbst lösen Allergien aus, sondern Eiweißbestandteile im Milbenkot, der mit dem Hausstaub verbreitet wird. Die allergologisch wichtigsten Milbenarten bei uns sind die Hausstaubmilben, eine geringere Bedeutung haben die Vorratsmilben (=Speichermilben) und Raubmilben. Die Milben ernähren sich von organischem Material wie menschlichen und tierischen Hautschuppen, daneben auch von tierischen Hautschuppen, Schimmelpilzen, Pollen oder Mehlprodukten. Milben können einen allergischen Dauerschnupfen (siehe Pfeil Kapitel 4.5) und ein allergisches Asthma bronchiale (siehe Pfeil Kapitel 5.4) auslösen sowie eine Neurodermitis (siehe Pfeil Kapitel 6.2) verschlechtern.


Abbildung 12-3: Hausstaubmilbe unter dem Elektronenmikroskop

12.2.2 Wo fühlen sich Milben wohl?

Hausstaubmilben

Die Hauptvertreter der Hausstaubmilben sind Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae. Sie sind lichtscheu. Da sich die Hausstaubmilben hauptsächlich von Hautschuppen ernähren, finden sich die meisten Milben im Bett in der Matratze, in geringerer Zahl auch im Kopfkissen und der Decke. Außerhalb der Schlafräume sind Polstermöbel der Hauptaufenthaltsort. Tierhaltung in der Wohnung fördert das Milbenwachstum.

Eine unabdingbare Voraussetzung für ihr Gedeihen ist eine Luftfeuchtigkeit von über 60%. Milben lieben Temperaturen zwischen 20 und 30° Celsius. Daher ist das Vorkommen der Milben örtlichen und saisonalen Schwankungen unterworfen. Die Hauptvermehrungszeit der Milben ist der Sommer. Dennoch erreichen die durch eine Milbenallergie hervorgerufenen Beschwerden im Herbst den Höhepunkt, weil sich zu dieser Zeit viel Milbenkot angesammelt hat. Die Heizungsluft trocknet die Kotbällchen der Milben aus, diese können dann leichter zerfallen, mit dem Hausstaub aufgewirbelt und als Feinstaub eingeatmet werden.

Da beim Beheizen der Räume der Luft Feuchtigkeit entzogen wird, die relative Luftfeuchtigkeit also sinkt, nimmt die Milbenzahl bei kalten Außentemperaturen in beheizten Räumen ab. Kurzfristige Trockenperioden können überlebt werden, jedoch nicht eine Luftfeuchtigkeit unter 45%. Bei Außentemperaturen unter 2°C wird dieser Wert unterschritten. Das ist auch der Grund dafür, dass die Zahl der Hausstaubmilben ab einer Höhe über 1000 Metern deutlich abnimmt; ab 1500 Metern sind keine Milben mehr in Wohntextilien nachweisbar, sie überleben die strengen und langen Winter nicht.

Vorratsmilben (Speichermilben)

Die Hauptvertreter der Vorratsmilben sind Glycophagus domesticus, Lepidoglyphus destructor, Blomia tropicalis und Acarus siro. Sie kommen vor allem in Heu, Getreide, gelagerten Lebensmitteln und Futtermitteln vor. Sie können in Mitteleuropa daher vor allem in der Landwirtschaft, bei Tierhaltung, Tierfutterproduktion und –lagerung allergologisch bedeutsam werden. Allergieauslöser ist auch hier der Milbenkot.

12.2.3 Haben Energiesparmaßnahmen und die Heizung einen Einfluss auf das Milbenwachstum?

Energiesparmaßnahmen in Wohnhäusern haben in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Luftfeuchtigkeit in den Wohnbereichen geführt. Luftdicht abschließende Fenster lassen in geschlossenem Zustand keinen Luftwechsel mit der Außenluft zu. Das führt bei unzureichender Lüftungshäufigkeit neben einer höheren Luftschadstoffbelastung auch zu einem Anstieg der Luftfeuchtigkeit im Innenbereich. Auch die Heizungsart beeinflusst das Gedeihen der Milben. Je gleichmäßiger die Temperaturverteilung im Raum, desto weniger wird die relative Luftfeuchtigkeit von 60% überschritten. Dies ist beispielsweise bei Fußbodenheizungen der Fall, vor allem Teppichböden sind bei dieser Heizungsart praktisch milbenfrei.

12.2.4 Kann man die "persönliche" Milbenbelastung in der eigenen Wohnung feststellen?

Inzwischen wurden relativ einfach zu handhabende Testverfahren entwickelt, mit welchen die Milbenbelastung in der eigenen Wohnung ermittelt werden kann. Beim Acarex®-Test wird der gesammelte Hausstaub mit einer Testlösung vermischt und anschließend ein Teststreifen eingetaucht. Bei Milbenbefall reagiert der Teststreifen mit den Eiweißbestandteilen im Milbenkot und antwortet mit einer Farbreaktion. Beim Bio-Check Allergen Control®-Test werden die Allergene im Milbenkot ebenfalls durch eine Farbreaktion angezeigt.

12.2.5 Ratschläge für Hausstaubmilben-Allergiker

Maßnahmen zur Reduktion der Milbenbelastung

Die wirksamsten Ansätze zur Milbenbekämpfung sind die Herabsetzung der Luftfeuchtigkeit und die Unterbindung der Nahrungszufuhr für die Milben. Es muss nicht sofort die ganze Wohnung saniert werden. Am wichtigsten sind die Sanierung des Bettes und des Schlaf- bzw. Kinderzimmers. Gehen Sie daher in folgender Reihenfolge vor:

1) Bett

2) Schlaf- bzw. Kinderzimmer

3) Übrige Wohnung

4) Sonstiges

Weitere Behandlungsmaßnahmen bei Milbenallergien

Weitere Behandlungsmaßnahmen sind von der jeweiligen Erkrankung abhängig und werden in Pfeil Kapitel 4, Pfeil Kapitel 5 und Pfeil Kapitel 6 besprochen.

12.2.6 Zusammenfassung

 

Milben sind mikroskopisch kleine Lebewesen und weltweit verbreitet. Allergieauslösend ist der Milbenkot. Milben können ein allergisches Asthma bronchiale und einen allergischen Dauerschnupfen auslösen sowie zu einer Ekzemverschlechterung bei Neurodermitis führen. Hausstaubmilben leben von Hautschuppen und sind daher in besonders großer Zahl im Schlafbereich zu finden. Mit einfachen Tests kann die "persönliche" Milbenbelastung in der eigenen Wohnung ermittelt werden. Maßnahmen zur Milbenreduktion müssen sich zunächst auf den Schlafbereich konzentrieren, indem milbenallergendichte Umhüllungen für Matratze und Bettzeug (Encasing) angeschafft werden.

 

12.3 Tiere
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Haustiere, die von den Eltern in bester Absicht für ihre Kinder als Spielgefährten angeschafft werden, stellen wichtige Allergieauslöser dar. Schuppen, Speichel, Haare, Urin und Blutserumbestandteile wirken als Allergene. Tierallergene können eine allergische Bindehautentzündung (siehe Pfeil Kapitel 8.1), einen allergischen Schnupfen (siehe Pfeil Kapitel 4.4), ein allergisches Asthma bronchiale (siehe Pfeil Kapitel 5.4), eine allergische Entzündung der Lungenbläschen (siehe Pfeil Kapitel 5.5) und allergische Hautreaktionen (siehe Pfeil Kapitel 6)auslösen. Bei etwa 5% aller Schulkinder ist mit einer Haustierallergie zu rechnen.

12.3.1 Warum werden Tierallergien häufiger?

Zu einem Anstieg der Tierallergien hat entscheidend die veränderte Form der Tierhaltung beigetragen. Solange die Tiere wie auf dem Bauernhof außerhalb der Wohnung gehalten werden, machen sie allergologisch kaum Probleme. Dies ändert sich jedoch schlagartig, wenn der Tierkontakt viel enger wird, die Tiere das Kinderzimmer bewohnen und mit ins Bett genommen werden. Beispielsweise steigt das Risiko einer Sensibilisierung gegen Katzen um den Faktor 2,6 an, wenn Katzen als Haustiere gehalten werden.

12.3.2 Welche Tiere lösen am häufigsten Allergien aus?

Die häufigsten Auslöser von Tierallergien sind Haustiere (Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Kaninchen und Vögel).

Katzen

Katzen sind der häufigste und aggressivste Allergieauslöser unter den Haustieren. Etwa 12 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten. Es besteht eine Kreuzallergie gegen praktisch alle einheimischen Katzenarten, Das Hauptallergen (Fel d 1) findet sich vor allem im Speichel, Hautschuppen und Haaren. Es ist im Hausstaub größtenteils an sehr kleine Staubteilchen gebunden. Dadurch kann es sehr gut in der Luft schweben und ist nicht nur auf dem Boden, sondern auch an Wänden und auf Möbeln zu finden. Nach Entfernung einer Katze aus der Wohnung kann es trotz intensiver Reinigungsmaßnahmen mehrere Jahre dauern, bis die Allergenmenge auf das Niveau einer Wohnung ohne Katzenhaltung abgefallen ist.

Durch die oben genannten Eigenschaften sind Katzenallergene nicht nur in Wohnungen von Katzenbesitzern, sondern auch in Polstern und im Staub von Schulen, Kinos, Bussen und Wohnungen ohne Tierhaltung nachweisbar. Über die Kleidung und die Haare der Tierbesitzer werden die Tierallergene weiterverbreitet. So hatte in einer Studie die Hälfte der Katzenallergiker nie eine eigene Katze zu Hause.

Hunde

Bei Hundehaltung besteht ein geringeres Allergierisiko als bei Katzenhaltung. Die Sensibilisierungshäufigkeit ist von der Rasse abhängig, z.B. wirken Boxer stärker allergieauslösend als Pudel. Das Hauptallergen (Can f 1) findet sich vor allem auf der Haut und auf dem Fell, es kann sich aber auch über die Luft verbreiten. In Deutschland gibt es etwa 5 Millionen Haushunde.

Pferde

Auch Pferde stellen ein sehr aggressives Allergen dar, allerdings ist eine Sensibilisierung wegen der geringeren Kontaktmöglichkeiten nicht so häufig wie bei anderen Haustieren. Allergische Symptome können bereits aus großer Entfernung zum Pferd auftreten, oft genügt schon das Vorbeigehen an einem Pferdestall. Auch das Sitzen in den hinteren Reihen in einem Zirkus macht dann meist schon Probleme.

Kleintiere

Unter den Kleintieren zählen Meerschweinchen, Hamster und Kaninchen zu den häufigsten Allergieauslösern. Eine Sensibilisierung gegen Mäuse, Ratten und andere ist bei entsprechender Tierhaltung möglich.

Vögel

Wellensittiche und Kleinpapageien haben unter den Ziervögeln die größte Bedeutung. Sie können nicht nur die bereits beschriebenen Allergien vom Soforttyp auslösen, sondern auch eine allergische Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis, Vogelzüchterkrankheit). Die Hauptallergene sind Kot und Bluteiweißbestandteile.

Sonstige Tiere

Kühe, Schweine, Ziegen und Schafe machen bei Haltung auf dem Bauernhof außerhalb des Wohnbereiches üblicherweise keine Probleme.

Produkte, die tierische Materialien enthalten

Zu achten ist auch auf Produkte, die Materialien tierischer Herkunft enthalten. Beispiele sind Pferdehaare in Rosshaarmatratzen, Ziegenhaare in Teppichen, Felle und Pelze in Jacken.

Indirekte Auswirkungen von Haustieren

Neben der direkten Wirkung als Allergen haben Haustiere noch eine Reihe anderer indirekter Auswirkungen für den Allergiker. Zum einen dienen Tierschuppen und Vogelfedern als Nahrung für Hausstaubmilben, zum anderen wirbeln die Tiere regelmäßig Staub auf. Ein Aquarium erhöht die Luftfeuchtigkeit und lässt dadurch Milben und Schimmelpilze besser gedeihen. Fischfutter in Form von getrockneten Zuckmückenlarven ist zudem ein aggressives Allergen. Auch Heu als Futter für einen Hasen kann über eine Schimmelpilzbelastung zur Allergisierung führen.

12.3.3 Was ist zu tun bei einer Tierallergie?

Es ist oft ein Drama für die ganze Familie, wenn es sich herausstellt, dass ein Kind allergisch auf ein Tier reagiert und sich das Kind von dem liebgewonnen Tier nicht trennen will. Oder wenn es sich um ein Tier handelt, das einem Geschwister gehört, das nicht von einer Allergie betroffen ist.

Optimale Lösung

Wenn eindeutige allergische Symptome auf ein Haustier vorliegen gibt es leider nur einen Rat: das Tier muss aus der Wohnung entfernt werden. Dies gilt besonders, wenn es sich um einen aggressiven Allergieauslöser wie eine Katze handelt und/oder um ein Tier, das frei in der Wohnung herumläuft. Auch durch regelmäßiges Waschen des Tieres, ständiges Staubsaugen oder sogenannte Luftreinigungsgeräte ist keine ausreichende Allergenreduktion zu erreichen. Wenn der Kontakt mit dem Allergieauslöser weiter fortgesetzt wird, muss mit einer Verschlechterung der Allergie gerechnet werden. Dies ist vor allem beim Asthma bronchiale fatal, da bei weiter bestehender Allergenzufuhr der narbige Umbau in der Bronchialschleimhaut fortschreitet, welcher später nicht mehr rückgängig zu machen ist. Auch ist zu beachten, dass von einem Tier, das über längere Zeit in einer Wohnung gelebt hat, noch über Monate allergenes Material wie Hautschuppen oder Haare im Teppich usw. vorhanden ist, obwohl gründlich gereinigt wurde. Eine endgültige Symptombesserung kann also nicht sofort erwartet werden. Dies gilt insbesondere für Katzen. Auch entsprechende Tierkontakte bei Freunden, Verwandten oder in der Schule müssen natürlich vermieden werden. Unter Umständen muss ein Sitznachbar gewählt werden, der kein Haustier besitzt. Sollte trotz aller Versuche der Allergenvermeidung keine zufriedenstellende Symptombesserung zu erreichen sein, ist eine Hyposensibilisierungsbehandlung zu erwägen.

Kompromisslösung in leichten Fällen

Wenn sich die Familie zunächst absolut von dem Tier nicht trennen will und nur leichte allergische Symptome vorliegen (z.B. nur Bindehautentzündung, kein Hinweis für Asthma) kann vor allem bei Kleintieren unter Umständen folgender befristeter Versuch gemacht werden: Das Tier wird zumindest aus dem Zimmer des Betroffenen herausgenommen und in einem Käfig gehalten, möglichst im Freien. Es darf vom Allergiker selbst nicht betreut werden. Auch hierbei können natürlich von dem Familienmitglied, der das Tier versorgt, auf der Kleidung Allergene weiterverschleppt werden, daher sollte dann immer konsequent Schutzkleidung übergezogen werden. Tiere, die außerhalb der Wohnung gehalten werden, wie zum Beispiel auf einem Bauernhof, machen in der Regel wenig Probleme. Eine Ausnahme können Pferde machen, bei denen in der Luft schwebende Allergene schon aus größerer Entfernung ohne unmittelbaren nahen Kontakt allergische Symptome auslösen können. In diesem Fall kann auch die Kleidung, die ein Familienmitglied beim Reiten trägt, so viel allergenes Material enthalten, dass heftige Beschwerden entstehen können. Die betreffenden Personen sollten sich daher außerhalb der Wohnung umziehen. Besuche bei Freunden oder Großeltern, welche entsprechende Tiere halten, müssen individuell abgesprochen werden. Unter Umständen kann ein antiallergisches Medikament, unmittelbar vor dem anstehenden Besuch verabreicht, weiterhelfen.

Vorbeugung

Aufgrund der vorliegenden Studienergebnissen gilt weiterhin die Empfehlung, dass in allergiebelasteten Familien keine Fell oder Federn tragende Haustiere neu angeschafft werden sollten. Falls in eine noch nicht an Tierallergien leidenden, jedoch mit anderen Allergien belasteten Familie dennoch ein Haustier aufgenommen werden soll, sollte man zumindest eine Risikoreduzierung anstreben: kaufen Sie ein möglichst kleines, weibliches, nicht allzu langlebiges Tier, das in einem Käfig gehalten werden kann. Kleine Tiere sind in ihrem Aktionsradius leichter zu beschränken und produzieren aufgrund ihrer kleineren Körperoberfläche weniger Allergene; weibliche, noch nicht geschlechtsreife Tiere sind allergenärmer als männliche. Oft wird alternativ die Anschaffung einer Schildkröte oder von Reptilien empfohlen, aber auch mit diesen Tieren steigt z.B. die Milbenbelastung in der Wohnung an. Ein Aquarium mit Fischen erhöht die Luftfeuchtigkeit und kann so das Wachstum von Milben und Schimmelpilzen fördern, daneben kann Fischfutter allergieauslösende Zuckmückenlarven enthalten.

Man muss immer wieder auch bedenken, dass Tierallergien erst zu einem eigentlichen Problem wurden, seit viele Tiere nicht mehr draußen sondern drinnen in einer für sie nicht natürlichen Umgebung gehalten werden.

12.3.4 Zusammenfassung

 

Seit Tiere zunehmend in Wohnungen gehalten werden, nehmen auch die Tierallergien zu. Tiere lösen vor allem Symptome an den Schleimhäuten der Augen und Atemwege aus. Am häufigsten sind Allergien gegen Katzen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Vögel, Hunde und Pferde. Die Trennung vom allergieauslösenden Tier fällt oft sehr schwer, ist jedoch bei heftigen Reaktionen wie Asthmaanfällen unbedingt erforderlich.

 

12.4 Schimmelpilze
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12.4.1 Was sind Schimmelpilze und Schimmelpilzsporen?

Schimmelpilze sind allgemein verbreitete Pilze, die besonders gut bei feuchter Wärme gedeihen. Schimmelpilzsporen sind einzellige Fortpflanzungsformen der Schimmelpilze und sind, wenn sie eingeatmet werden, hauptsächlich für die allergischen Reaktionen verantwortlich.

12.4.2 Welche allergologische Bedeutung haben Schimmelpilze?

Inhalierte Schimmelpilzallergene spielen häufig beim Asthma bronchiale (siehe Pfeil Kapitel 5.4) und beim allergischen Dauerschnupfen (siehe Pfeil Kapitel 4.5) eine Rolle, sie können jedoch auch eine allergische Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis, siehe Pfeil Kapitel 5.5) auslösen. Meist tritt eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze gemeinsam mit einer Allergie gegen Pollen oder Hausstaubmilben auf. Die Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte (Enzyme) in Nahrungsmitteln haben vor allem Bedeutung bei den Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, weniger als Auslöser von Atemwegssymptomen.

12.4.3 Wo kommen Schimmelpilze vor?

Im Folgenden werden die Schimmelpilze nach ihrem Auftreten im Freien, im Haus, in Nahrungsmitteln und sonstigen Einsatzgebieten besprochen.

Schimmelpilze im Freien

Die beiden wichtigsten Schimmelpilze, die hauptsächlich im Freien vorkommen, sind Alternaria alternata und Cladosporium herbarum. Sie wachsen auf Blattoberflächen, jeglichem Pflanzenabfall und in der Erde. Hohe Konzentrationen werden auf Gräsern und Getreide erreicht. Die höchste Schimmelpilzsporenbelastung tritt im Juli und August auf, daher können die hervorgerufenen Symptome mit einer Pollenallergie verwechselt werden. Geringere Sporenbelastungen bestehen jedoch das ganze Jahr über. Schimmelpilzallergiker reagieren gewöhnlich beim Rasenmähen, nach Kontakt mit Heu, Silofutter, Rindenmulch, trockener Erde, Torf, Kompost, Blattabfällen und beim Mähdreschen.

Schimmelpilze im Haus

Die Schimmelpilzbelastung im Haus resultiert aus mehreren Quellen:

Schimmelpilze in oder auf Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel sind eine reichhaltige Quelle für Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte (Enzyme). Durch Einatmen können diese ebenfalls Ursache von Atemwegssymptomen sein:

An Obst und Gemüse, Käse und anderen Nahrungsmitteln haften besonders nach langer Lagerzeit Schimmelpilze, bei Obst kann der Befall durch gründliches Waschen deutlich reduziert werden.

Schimmelpilze und ihre Produkte werden gezielt bei der Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt: Backwaren, Bier, Wein, anderen Spirituosen, Essig und Essigprodukten, bestimmten Käsesorten wie Camembert oder Roquefort, Soja- und Steaksoßen und Schokolade. Enzyme als Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen zerkleinern auch Kartoffeln bei der Herstellung von Kartoffelpüree oder Obst bei der Fruchtsaftherstellung. Eine Deklarationspflicht besteht nicht, sodass der Verbraucher sich nur schwer informieren kann.

Die Bedeutung von Schimmelpilzen und deren Produkte, die über den Magendarmtrakt aufgenommen werden, ist schwer zu erfassen. Der Verzehr großer Schimmelpilzmengen z.B. durch Wein oder Käse kann jedoch neben Unverträglichkeiten am Magendarmtrakt auch akute Atemwegsprobleme machen. Schimmelpilzgifte wie die Aflatoxine, die z.B. an der Leber krebsentstehend wirken, sollen hier nur am Rande erwähnt werden.

12.4.4 Sonstige Einsatzgebiete von Schimmelpilzen

Enzyme sind ein wichtiger Bestandteil von Wasch- und Reinigungsmitteln, finden sich in Zahnreinigungsmitteln und Hautcremes, werden bei der Medikamentenherstellung verwendet, Jeans werden in Schimmelpilzenzymen gebadet. Schimmelpilzenzyme in Waschmitteln können bei Beschäftigten in der Waschmittelherstellung bei Inhalation größerer Mengen Symptome an den Atemwegen verursachen, was bei der üblichen Verwendung durch den Verbraucher praktisch keine Rolle spielt. Durch einen normalen Waschgang in der Waschmaschine mit ausreichender Spülung werden diese Stoffe soweit ausgespült, dass durch Kontakt mit der Haut keine Reaktionen auftreten.

12.4.5 Ratschläge für Schimmelpilzallergiker

In der freien Natur

Eine völlige Vermeidung in der freien Natur vorkommender Schimmelpilze ist wie bei den Pollen nicht möglich.

In der Wohnung

12.4.6 Zusammenfassung

 

Schimmelpilze spielen vor allem als Inhalationsallergene eine Rolle. Alternaria alternata und Cladosporium herbarum kommen im Freien auf organischem Material wie Blättern, Getreide, Kompost und Erde, jedoch auch im Haus auf Zimmerpflanzen und in Blumenerde vor. Andere Schimmelpilze im Haus wachsen auf feuchten Wänden oder Speiseresten. Die wichtigsten Maßnahmen zur Reduktion von Schimmelpilzbefall im Haus sind eine Reduktion der Luftfeuchtigkeit auf unter 65% und regelmäßiges Stoßlüften. Daneben werden Schimmelpilze und ihre Produkte (Enzyme) unter anderem bei der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt.

 

12.5 Sonstige
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12.5.1 Nahrungsmittel und Lebensmittelzusatzstoffe

Siehe Pfeil Kapitel 7.

12.5.2 Insektengifte

Siehe Pfeil Kapitel 9.

12.5.3 Ficus benjamini

Die Birkenfeige kann einen allergischen Schnupfen, eine allergische Bindehautentzündung, Asthma bronchiale und einen Nesselausschlag auslösen. An eine Ficus-Allergie ist vor allem bei ganzjährigen Beschwerden zu denken, bei denen der Allergietest kein anderes Ergebnis gezeigt hat. Es gibt eine Kreuzallergie zu Feigen. Die Therapie besteht in der Meidung des Kontaktes mit Ficus benjamini.

12.5.4 Latex

Naturlatex war lange Zeit das wichtigste Ausgangsmaterial für die Gummiherstellung. Es fand und findet sich noch in einer Vielzahl von Produkten wie medizinischen Handschuhen, Bällen, Luftballons, Schnullern, Reifen, Kondomen, Blasenkathetern und vielen anderen. Die Latexallergie ist vor allem für medizinisches Personal durch die Verwendung von Latexhandschuhen zum Problem geworden, jedoch auch für Patienten, die häufigen medizinischen Eingriffen und Operationen ausgesetzt sind wie Kinder mit Spina bifida (= offener Rücken). Die Symptome reichen von einem Juckreiz und Rötung im Kontaktbereich der Handschuhe über einen Nesselausschlag am ganzen Körper, Bindehautentzündung, Niesreiz und Atemnot bis zum allergischen Schock. Kreuzallergien zu Nahrungsmitteln wie Kiwi, Avokado, Banane, Esskastanie oder Papaya können bestehen. Die einzige mögliche Therapie ist das absolute Meiden von Naturlatex in jeder Form vor allem bei medizinischen Eingriffen. Gegebenfalls muss eine Notfallapotheke wie bei einer Insektengiftallergie verordnet werden. Durch die Umstellung im medizinischen Bereich auf Latex-freie Handschuhe, Katheter usw. hat die Zahl der Latexallergien stark abgenommen.

© Dr. P.J.Fischer - pina 8/2002 - 1/2014
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