Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

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17. Alternative Diagnose- und BehandlungsmethodenLinie Kapitelüberschrift
17. Alternative Diagnose- und Behandlungsmethoden
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Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis und Asthma bronchiale sind chronische und schubweise verlaufende Erkrankungen, die zu starken Belastungen führen und nicht in kurzer Zeit geheilt werden können. Es ist verständlich, dass Eltern alles unternehmen wollen, ihrem Kind zu helfen und sich neben der wissenschaftlichen Medizin auch nach alternativen Heilmethoden umsehen. Für Sie als Eltern ist es meist schwierig, "alternative" Methoden zu beurteilen. Dieses Kapitel will Ihnen daher einige Denkanstöße und Informationen zu diesem Thema liefern.

17.1 Schulmedizin, Naturmedizin oder Alternativmedizin?
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Naturwissenschaftliche Medizin und Naturheilkunde entspringen dem Wunsch, möglichst nebenwirkungsfrei zu heilen, die Rätsel von Gesundheit und Krankheit zu ergründen und der Erfahrung, dass bestimmte Methoden Erfolg versprechender sind als andere. Die Schulmedizin wendet Methoden an, deren Wirksamkeit und mögliche Risiken und Nebenwirkungen mit anerkannten wissenschaftlichen Verfahren überprüft wurden. Eine Heilmethode gilt dann als wirksam, wenn der Erfolg nicht nur bei einem bestimmten Menschen eintritt, sondern bei möglichst vielen Patienten überprüfbar und wiederholbar ist. Für solche Prüfungen haben sich internationale Standards etabliert. Die klassischen Naturheilverfahren verwenden natürliche Mittel, die sich seit langem bewährt haben und deren Wirksamkeit von der wissenschaftlichen Medizin anerkannt ist. Eine ganze Reihe klassischer Naturheilverfahren steht daher nicht im Gegensatz zur Schulmedizin, sondern ist in sie integriert. So genannte alternative und unkonventionelle Verfahren bedienen sich hingegen Methoden, die auf eigenständigen Theoriesystemen beruhen, die von der naturwissenschaftlichen Medizin abweichen.

17.2 Anspruch und Wirklichkeit "alternativer" Methoden
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Die Anbieter alternativer Methoden liefern oft eine einfache Erklärung für viele Erkrankungen und versprechen eine schnelle und endgültige Heilung. Im Gegensatz dazu deckt die wissenschaftliche Medizin beispielsweise bei der Neurodermitis immer komplexere Ursachengefüge auf. Die Versuchung, sich mit einfacheren Erklärungen zufrieden zu geben, liegt nahe. Nicht alles, was das Etikett natürlich trägt, ist auch harmlos und gesund. Man bedenke nur, dass die meisten Allergieauslöser wie Pollen, Nahrungsmittel oder Insektengift keine künstlichen, sondern natürliche Stoffe sind.

17.3 Auch "alternative" Methoden müssen sich einem Wirksamkeits- und Unbedenklichkeitsnachweis stellen
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Eine neue Diagnosemethode muss sich an bewährten diagnostischen Verfahren messen lassen. Eine neue Behandlungsmethode muss in vergleichenden Untersuchungen wirksamer sein als ein Placebo (= ein Medikament, das keinen Wirkstoff enthält). Auch mögliche Nebenwirkungen müssen dokumentiert werden.

Viele alternative und unkonventionelle Methoden wurden in den letzten Jahren gründlich überprüft. Für manche dieser Verfahren fehlen Vergleichsuntersuchungen. Eine Reihe dieser Methoden hat sich in kontrollierten Studien als nicht sinnvoll erwiesen. Sie werden jedoch weiterhin angewendet und kosten mitunter viel Geld.

Die alleinige subjektive Wirkungseinschätzung ("nach meiner Erfahrung hilft das gut") ist kein ausreichender Wirksamkeitsnachweis. Dies gilt insbesondere für Erkrankungen wie den Heuschnupfen oder die Neurodermitis. Der Heuschnupfen kann bei jedem Einzelnen von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark verlaufen, da die Pollendichte in jedem Jahr unterschiedlich ist. Auch die Neurodermitis zeigt in ihrem Verlauf deutliche Schwankungen und hat zudem die Neigung, sich im Laufe der Zeit abzuschwächen. Diese natürlichen Verläufe einer Erkrankung dürfen nicht von vorne herein mit der Wirksamkeit einer Behandlungsmethode gleichgesetzt werden.

17.4 "Alternative" Methoden können auch Gefahren in sich bergen
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Man hört oft das Argument, die Anwendung alternativer Methoden könnte ja zumindest nicht schaden. Auch dies gilt nur mit Einschränkungen:

17.5 Welche Methode ist wie einzuschätzen?
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Man sollte bei der Suche nach alternativen und unkonventionellen Diagnose- oder Heilmethoden kritisch vorgehen und den gesunden Menschenverstand nicht ganz ausschalten, sonst könnte die einzige Wirkung nur ein leerer Geldbeutel sein. siehe Pfeil Tabelle 17-1 zeigt Beispiele naturheilkundlicher, alternativer und unkonventioneller Methoden mit der Einschätzung ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Das Spektrum reicht von als wirksam anerkannt bis potentiell gefährlich und daher abzulehnen.

Tabelle 17-1: Beispiele anerkannter Naturheilverfahren sowie alternativer und unkonventioneller Methoden (in Anlehnung an Niggemann und Grüber)

 
  • als wirksam anerkannte Naturheilverfahren
    - Wärme- und Kältetherapie (z.B. Kneipptherapie)
  • in bestimmten Fällen wirksam, aber nicht prinzipiell nebenwirkungsfrei
    - Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)
  • möglicherweise wirksam als ergänzende Methode
    - Yoga
  • möglicherweise wirksam, jedoch konventionellen Methoden unterlegen
    - Akupunktur bei Asthma bronchiale
  • niemals wirklich als effektiv bewiesen
    - Homöopathie
    - Bachblütentherapie
  • erwiesenermaßen wirkungslos bzw. als Diagnosemethode untauglich
    - Bioresonanz
    - Elektroakupunktur nach Voll
    - Kinesiologie
    - Irisdiagnostik
    - Haarmineralstoffanalyse
    - IgG-Antikörper auf Nahrungsmittel
    - "zytotoxischer" Lebensmitteltest
    - Pendeln
    - Wünschelrute
  • potentiell gefährlich
    - Frischzelltherapie
    - Eigenbluttherapie
    - Eigenurintherapie
 

 

17.6 Untaugliche Methoden
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17.6.1 Bioresonanz

Die Bioresonanz geht von der Theorie aus, dass der Mensch ein ultrafeines elektromagnetisches Schwingungsmuster abstrahle, das auch Allergien anzeige. Diese Schwingungen könnten mit einem speziellen Gerät gemessen werden. Das Gerät wandle dann schlechte Schwingungen ins exakte Spiegelbild um und gebe sie dem Körper wieder zurück, die Allergie werde dadurch "gelöscht". Studien an den Universitäten Innsbruck und Wien sowie eine Studie in Davos an Neurodermitispatienten konnten die behaupteten Wirkungen in keiner Weise nachvollziehen.

17.6.2 Elektroakupunktur nach Voll (EAV)

Bei der EAV wird der elektrische Hautwiderstand an verschiedenen Punkten des Körpers gemessen. Aus den gemessenen Hautwiderständen werden Rückschlüsse auf "veränderte Energieflüsse" im Körper und damit verschiedene Erkrankungen gezogen. Auch Medikamente, die z.B. in einer Glasampulle in die Hand genommen werden, werden mit dieser Methode ausgetestet. Die Elektroakupunktur nach Voll hielt konkreten Überprüfungen nicht stand.

17.6.3 Kinesiologie

Der Behandler überprüft die Anspannung von bestimmten Muskeln und zieht daraus Rückschlüsse auf erkrankte Organe, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder fehlende Spurenelemente. Auch die Wirkung verabreichter Medikamente wird auf diese Art und Weise ausgetestet. Kontrollierte Studien konnten die von den Anhängern dieser Methode gemachten Behauptungen nicht nachvollziehen.

17.6.4 Irisdiagnostik

Die Irisdiagnostik beruht auf der Vorstellung, dass das Auge der Spiegel der Seele und auch des Körpers sei. Durch Betrachtung der Iris (= Regenbogenhaut) könne so auf die Konstitution, erbliche Belastung und Neigung zu bestimmten Erkrankungen geschlossen werden. Überprüfungen der diagnostischen Aussagekraft dieser Methode verliefen völlig enttäuschend.

17.6.5 Haarmineralstoffanalyse

Die Haaranalyse kann zur Bestimmung von Schwermetallen bei Verdacht auf eine Vergiftung oder zum Nachweis von Drogen sinnvoll sein. Zum Nachweis von Allergien oder Mineralstoffmangelzuständen ist diese Methode jedoch nicht geeignet. Haarproben von verschiedenen Personen wurden an mehrere Institute zur Analyse geschickt. Die Ergebnisse und deren Interpretation unterschieden sich beträchtlich von Labor zu Labor.

17.6.6 IgG-Antikörper auf Nahrungsmittel

Spezifische Antikörper vom IgG-Typ gegen Nahrungsmittel finden sich sehr häufig bei Personen, die überhaupt keine Zeichen einer Nahrungsmittelallergie aufweisen. Sie sind daher zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie wertlos. Hingegen ist der Nachweis von IgE-Antikörpern im Haut- oder Bluttest ein wichtiger Hinweis auf eine Allergie vom Soforttyp. Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie muss jedoch durch einen Auslass- und Provokationstest bestätigt werden.

17.6.7 Zytotoxischer Lebensmitteltest

Leukozyten (= weiße Blutkörperchen) des Patienten werden im Labor mit dem vermuteten Allergieauslöser in Kontakt gebracht. Unter dem Mikroskop wird beobachtet, ob Veränderungen an den Leukozyten auftreten und daraus auf eine mögliche Allergie geschlossen. Überprüfungen haben gezeigt, dass mit dieser Methode keine zuverlässigen Befunde erhoben werden können.

17.6.8 Pendeln, Wünschelrute

In keiner kontrollierten Untersuchung gelang es Pendlern, sichere Diagnosen zu stellen oder Wünschrutengängern, angebliche "Erdstrahlen" nachzuweisen.

17.7 Verfahren ohne bewiesene Wirkung
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17.7.1 Homöopathie

Die Homöopathie wurde von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) Anfang des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen und war bereits zu Hahnemanns Zeit heftig umstritten.

Prinzipien

Kritik

Kritiker der Homöopathie führen vor allem folgende Kritikpunkte an:

Beurteilung

Eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie, die über die eines Scheinmedikaments hinausgeht, konnte nicht nachgewiesen werden. Bei der Verwendung von starken Verdünnungen (sog. Hochpotenzen) sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Bei geringen Verdünnungen (sog. Niedrigpotenzen) können durchaus Vergiftungen oder allergische Reaktionen auftreten.

Homöopathische Mischpräparate ("Komplexmittel") haben mit der Lehre Hahnemanns, der immer individuelle Einzelmittel verordnete, nicht mehr viel zu tun. Einen homöopathischen Cocktail, der allen hilft, kann es nach der Theorie der klassischen Homöopathie nicht geben.

Die Homöopathie hat auch nichts mit der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) zu tun, bei der Pflanzeninhaltsstoffe mit pharmakologisch nachweisbarer Wirkung (z.B. Gerbstoffe aus Eichenrinde oder Schwarztee) therapeutisch genutzt werden.

17.7.2 Schüßler-Salze

Prinzipien

Nach der Meinung von Wilhelm Schüßler (1821-1898) ist ein Mensch dann gesund, wenn seine Zellen ausreichend mit Mineralstoffen versorgt sind und sich deren Moleküle ungehindert bewegen können. Der Mensch erkrankt dann, wenn die Zellen bei der Abwehr krankmachender Reize Mineralstoffe verlieren und sich die verbliebenen Moleküle nicht mehr richtig bewegen können. Alle Erkrankungen werden durch eine Entzündung erklärt und in 3 verschiedene Entzündungsstadien eingeteilt. Behandelt wird nach der Zuordnung zum Entzündungsstadium und der Bestimmung der Konstitution des Patienten mit anorganischen Salzen, die nach dem Verfahren der Homöopathie zu D 3, D 6 und D 12 potenziert werden.

Beurteilung

Die Erklärungsversuche Schüßlers zur Entstehung von Krankheiten sind mit der heutigen wissenschaftlichen Medizin nicht in Einklang zu bringen. Mineralsalze sind wichtig für viele Abläufe im Organismus, jedoch lassen sich bei weitem nicht alle Erkrankungen durch einen Mineralstoffmangel erklären. Auch sind viele Erkrankungen nicht durch eine Entzündung bedingt. Wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise der Behandlungsmethode liegen nicht vor. Zu beachten ist, dass zwischen niedrig verdünnten Schüßler-Salzen von 1:1000 (D 3) und anderen Medikamenten Wechselwirkungen auftreten können.

17.7.3 Bachblüten

Prinzipien

Für Edward Bach (1886-1936) war Krankheit "das Ergebnis eines Konflikts zwischen höherem Selbst und Persönlichkeit". 38 negative Seelenzustände sollen sich in präzisen Beschwerden äußern und durch Einnahme von 38 speziellen Blütenextrakten gebessert werden. Daneben soll eine fixe Kombination von 5 Blütenkonzentraten als "Notfalltropfen" dienen. Damit könne das nahezu gesamte medizinische Spektrum von Krankheiten und Störungen behandelt werden.

Beurteilung

Bachs Krankheitsverständnis ist mit der modernen Psychologie und Medizin nicht vereinbar. Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis dieser Behandlungsmethode liegt nicht vor.

17.7.4 Schlussfolgerung

Für die Homöopathie, Schüßler-Salze und Bachblüten gibt es keine Wirksamkeitsnachweise, die über die Wirkung eines Scheinmedikaments hinausgehen. Wollen Sie dennoch zu diesen Methoden greifen, sollten Sie folgendes beachten:

17.8 Sinnvolle ergänzende Heilmethoden
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Neben einer Vielzahl alternativer Verfahren, die sich nicht als hilfreich erwiesen haben, gibt es eine ganze Reihe von natürlichen Heilmethoden, welche als wirksam anerkannt sind und nicht im Widerspruch zur wissenschaftlichen Medizin stehen, sondern in sie integriert wurden. Einige Verfahren wie die Atemtherapie oder Entspannungsverfahren beim Asthma bronchiale sind wichtige und feste Bestandteile der wissenschaftlichen Medizin geworden. Andere Methoden können unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden.

17.8.1 Gesunde Lebensführung

Eine gesunde Lebensführung im weitesten Sinne mit einer ausgewogenen Ernähung, viel körperlicher Bewegung, ausreichenden Erholungsphasen usw. ist ein wichtiger Baustein sowohl einer ganzen Reihe naturheilkundlicher Verfahren (dort auch als Ordnungstherapie bezeichnet, z.B. in der Kneipp-Therapie) wie auch der Schulmedizin. Die genannten Maßnahmen sind ganz allgemein zur Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation verschiedenster Erkrankungen sinnvoll. Ihre Bedeutung wurde von der wissenschaftlichen Medizin nachgewiesen.

17.8.2 Physiotherapie

Die Physiotherapie ist ein fester Bestandteil in der Asthmabehandlung geworden. Mit der krankengymnastischen Atemtherapie können eine sinnvolle Atemtechnik erlernt, Schleim in den Bronchien mobilisiert, Muskelverspannungen gelockert und die Beweglichkeit des Brustkorbs verbessert werden.

17.8.3 Wärme- und Kältetherapie

Wärme erweitert die Blutgefäße und führt zu einer Muskelentspannung. Ein warmer Brustwickel kann so bronchialentkrampfend und schleimfördernd wirken. Ein kurzer Kältereiz verengt die Blutgefäße, die Muskeln spannen sich an. Nach Abklingen des Kältereizes erweitern sich die Blutgefäße und die Muskeln entspannen sich wieder. Die Blutgefäße und das vegetative Nervensystem werden durch die abwechselnde Anwendung von Wärme- und Kältereizen in der Kneipp-Therapie (z.B. durch kalt/warme Wechselduschen oder Fußbäder) trainiert. So kann beispielsweise die Blutdruckregulation verbessert werden. Bei der Neurodermitis erhöht kaltes Abduschen die körpereigene Kortisonproduktion und kann zur Stabilisierung des Hautzustandes unterstützend eingesetzt werden.

17.8.4 Entspannungsverfahren

Entspannungstechniken wie das autogene Training und die progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind in ihrer Wirksamkeit erprobt. Sie werden sowohl bei der Neurodermitis als auch beim Asthma bronchiale sinnvoll als begleitende Therapie eingesetzt. Auch für Yoga, das für Kinder allerdings weniger geeignet ist, gibt es Hinweise auf eine therapeutische Wirksamkeit bei Asthma und Stresszuständen.

17.8.5 Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)

Die wissenschaftliche Phytotherapie setzt pflanzliche Wirkstoffen in pharmakologisch wirksamer Dosis ein (nicht zu verwechseln mit der Homöopathie, welche mit zum Teil extrem hohen Verdünnungen arbeitet). Eine ganze Reihe wertvoller Medikamente wurde ursprünglich aus Pflanzen gewonnen und entweder direkt als Pflanzenauszug verwendet oder durch chemische Abwandlungen noch in der Wirksamkeit gesteigert. Viele, jedoch bei weitem nicht alle von der Volksmedizin überlieferte Wirkungen konnten bestätigt werden. Allerdings wurden auch ernsthafte Nebenwirkungen entdeckt. Für die Allergologie ist beispielsweise die allergieauslösende Wirkung bestimmter Kamillearten (insbesondere der Hundskamille) und ätherischer Öle von Bedeutung. Pflanzliche Medikamente können bei verschiedenen, vor allem leichteren Erkrankungen durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Jedoch nicht alle Krankheiten lassen sich ausschließlich mit pflanzlichen Medikamenten behandeln. In der Neurodermitisbehandlung werden beispielsweise bei nässenden Ekzemen Gerbstoffe aus Schwarztee oder Eichenrinde eingesetzt.

17.9 Das sollten Sie beachten
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17.10 Zusammenfassung
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Der oft chronische Verlauf allergischer Erkrankungen weckt in vielen Eltern den Wunsch nach "alternativen" Diagnose- und Behandlungsmethoden. Jedoch auch für diese Methoden gilt, dass sie ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit unter Beweis stellen müssen. Viele "alternative" Verfahren sind in der Zwischenzeit gründlich untersucht worden, für viele konnte kein überzeugender Wirksamkeitsnachweis geliefert werden. Bewerten Sie jede Methode – ob schulmedizinisch oder alternativ - mit dem selben kritischen Maßstab.

Sinnvoll eingesetzt werden können Entspannungstechniken, die Physiotherapie, die Wärme- und Kältetherapie, und bei leichteren Erkrankungen die Phytotherapie (Therapie mit Pflanzeninhaltsstoffen). Vorbeugend und stabilisierend wirken eine gesunde Lebensführung, regelmäßiges körperliches Training und die Sauna.

 

Literatur:

Die Andere Medizin. "Alternative" Heilmethoden für Sie bewertet. Stiftung Warentest 2006

© Dr. P.J.Fischer - pina 3/2003 - 3/2007
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