Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen - das PINA online-Buch

Home Geleitwort Fachbegriffe Impressum Pina-Startseite

Zurück zur Kapitelübersicht  Zur Kapitelübersicht Zurück zur Kapitelübersicht

Druckversion öffnen Druckversion öffnen (pdf-Datei, 203KB)

3. Wie werden Allergien und Asthma diagnostiziert?Linie Kapitelüberschrift
3. Wie werden Allergien und Asthma diagnostiziert?
Linie Kapitelüberschrift

Wenn Sie mit Ihrem Kind mit dem Verdacht auf eine Allergie zum Arzt gehen, wollen Sie natürlich wissen, was Sie erwartet. Das dritte Kapitel gibt Ihnen die notwendigen Informationen. Sie können sich und Ihr Kind dann besser darauf vorbereiten.

 

Frau Weber hat mit ihrem achtjährigen Sohn Thomas einen Termin beim Arzt zur Allergieuntersuchung. Seit drei Monaten hat Thomas in der Nacht Husten und Atemnot bei körperlicher Anstrengung. Daher soll jetzt eine eingehende Untersuchung erfolgen. Thomas ist es ziemlich mulmig im Bauch, auch Frau Weber ist gespannt, was sie erwartet.

Nach einer kurzen Wartezeit, in der sie auch einen Fragebogen zur Krankheitsvorgeschichte ausfüllte, ist Thomas an der Reihe und wird vom Arzt mit seiner Mutter freundlich begrüßt. Dieser stellt zunächst eine ganze Reihe von Fragen. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dann wird ein Hauttest angelegt. Es tut kaum weh, das an drei Stellen auftretende Hautjucken stört Thomas mehr. Nach fünfzehn Minuten wird abgelesen: es zeigt sich eine deutliche Reaktion gegen Hausstaubmilben. Zuletzt wird noch eine Lungenfunktionsuntersuchung vor und nach einem Dauerlauf durchgeführt, Thomas muss dazu in ein Mundstück blasen. Der Ausgangswert ist in Ordnung, nach Belastung zeigt sich jedoch eine Funktionseinschränkung.

Zum Abschluss bespricht der Arzt alle Befunde mit Thomas und seiner Mutter: Thomas hat ein Asthma bronchiale, das durch eine Milbenallergie hervorgerufen wird und sich zudem bei körperlicher Belastung verschlechtert. Die Milbensanierung vor allem im Kinderzimmerbereich wird besprochen. Der Arzt verordnet auch 2 Medikamente zum Inhalieren: eines zur regelmäßigen Anwendung, ein zweites zur Anwendung nur bei Atemproblemen. Die genaue Handhabung des kleinen Pulverinhalators wird von der Arzthelferin anschließend ausführlich erklärt. In vier Wochen wird ein Termin für eine Kontrolluntersuchung vereinbart, um den Erfolg der Behandlungsmaßnahmen zu überprüfen. Vor dem nächsten Termin hat Thomas keine Angst mehr.

 

3.1 Die Schritte einer Allergie- und Asthmauntersuchung
Linie Kapitelüberschrift

Die Diagnose einer Allergie und eines Asthma bronchiale umfasst mehrere Schritte:

3.2 Die Krankengeschichte
Linie Kapitelüberschrift

Der erste und wichtigste Schritt ist die Krankengeschichte (Anamnese). Mit der Krankengeschichte allein kann in vielen Fällen die Diagnose bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit gestellt oder ausgeschlossen werden. Auf jeden Fall ist sie für die Weichenstellung in Bezug auf weitere diagnostische Maßnahmen entscheidend. Die folgenden Fragen sind zur Abklärung einer Allergie besonders wichtig. Eventuell erhalten Sie auch einen Allergiefragebogen, den Sie zur Vorinformation des Arztes bereits im Wartezimmer ausfüllen. Eventuell wird Ihr Arzt Sie auch bitten, ein Symptomprotokoll z.B. in Form eines Symptom-Nahrungsmittel-Tagebuches zu führen. Man unterscheidet allergische Frühreaktionen, die innerhalb von 2 Stunden eintreten (z.B. sofortige Lippenschwellung nach Eikontakt) von allergischen Spätreaktionen. Da letztere erst Stunden bis Tage nach dem Allergenkontakt auftreten, sind sie mitunter sehr schwer zu diagnostizieren.

3.2.1 Fragen zu den Beschwerden

3.2.2 Fragen zur Wohnsituation

3.2.3 Fragen zum außerhäuslichen Bereich

3.2.4 Fragen zur Familie

3.2.5 Fragen zur Ernährung

3.2.6 Fragen zu durchgeführten Behandlungen und Medikamenten

3.3 Die körperliche Untersuchung
Linie Kapitelüberschrift

Ihr Kinder- und Jugendarzt wird insbesondere jene Organe gründlich untersuchen, welche von den Beschwerden betroffen sind. Bei chronisch verlaufenden Erkrankungen ist auch die Beurteilung von Wachstum und Entwicklung besonders wichtig.

3.4 Wichtiges zur Allergietestung
Linie Kapitelüberschrift

Oft ist zu hören, bei Säuglingen und Kleinkindern sei noch keine Allergietestung möglich. Dies ist jedoch eindeutig falsch. Auch bei Säuglingen können schon aussagekräftige Testungen vorgenommen werden. Wichtig!: Eine positive Reaktion beim Allergietest beweist nicht automatisch das Vorliegen einer allergischen Erkrankung. Sie zeigt lediglich, dass das Immunsystem Kontakt mit der entsprechenden Substanz gehabt und darauf reagiert hat (= Sensibilisierung). Der Allergietest kann jedoch nichts darüber aussagen, ob diese Sensibilisierung auch wirklich Krankheitserscheinungen hervorruft (= Allergie). Diese Einschränkung gilt vor allem bei Nahrungsmitteln. Im Zweifelsfall muss ein Provokationstest durchgeführt werden. Ein Allergietest kann jedoch auch negativ ausfallen: z.B. im Frühstadium einer allergischen Erkrankung oder wenn die Sensibilisierung nicht sehr stark ist, beispielsweise wenn lediglich eine allergische Bindehautentzündung vorliegt. Das Ergebnis eines Allergietests kann daher niemals für sich allein und isoliert bewertet werden, sondern muss immer im Zusammenhang mit der Vorgeschichte und den Krankheitserscheinungen betrachtet und beurteilt werden! Dies setzt vor allem bei Kindern besondere Erfahrung voraus. Leider kommt es immer wieder vor, dass der Allergietest und nicht das allergiekranke Kind behandelt wird. Ungeeignete Diagnosemethoden sind u.a. die Kinesiologie, Bioresonanz oder Elektroakupunktur (siehe auch Pfeil Kapitel 17).

3.5 Allergietestung auf der Haut
Linie Kapitelüberschrift

Hauttests sind das am häufigsten angewendete Untersuchungsverfahren auf der Suche nach Allergieauslösern. Das Testmaterial kann in die Haut eingebracht (Pricktest, Intrakutantest) oder auf die Haut aufgebracht (Epikutantest = Patchtest) werden. Liegt eine Sensibilisierung gegen die entsprechende Substanz vor, so reagiert die Haut mit einer Hauterhebung (Quaddel) und Rötung bzw. einer Ekzemreaktion (Bläschen und Knötchen). Die Stärke auftretenden Hautreaktion gib auch einen Hinweis auf den Ausprägungsgrad der Sensibilisierung. Wichtig!: Vor einem Hauttest müssen antiallergisch wirkende Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika (z.B. Aerius®, Fenistil®, Telfast®, Zyrtec®, Xusal®) abgesetzt werden, da sie die Reaktionsbereitschaft der Haut herabsetzen und damit das Testergebnis verfälschen können. Die Medikamentenpause muss zwischen drei und sieben Tagen betragen. Auch Kortison-haltige Salben und Cremes dürfen drei bis sieben Tage vor der Testung im Testareal nicht verwendet werden.

3.5.1 Der Pricktest

Abbildung 3-1: Pricktest
Abbildung 3-1: Pricktest

Beim Pricktest werden die Testsubstanzen auf zuvor markierten Stellen auf die Haut aufgetropft. Danach wird jeweils mit einer Einmallanzette oder einer speziellen Nadel durch die Allergenlösung hindurch oberflächlich in die Haut gestochen (siehe Pfeil Abbildung 3-1).

Durch diese kleine Verletzung wird der Kontakt des Allergens mit dem Immunsystem in der Haut hergestellt. Nach 15 Minuten wird der Test, der hauptsächlich allergische Sofortreaktionen erfasst, abgelesen.

Entscheidend ist eine Anhebung (Quaddelbildung) der Haut. Parallel wird immer als Kontrolle mit Kochsalzlösung (darf nicht reagieren) und Histamin (Vermittlersubstanz allergischer Reaktionen, 1:1000 verdünnt, soll reagieren) getestet.

Die Reaktion auf das Allergen wird im Vergleich zur Reaktion der Kochsalzlösung (Negativkontrolle) und des Histamins (Positivkontrolle) beurteilt.

Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen ist die Hautreaktion schwächer ausgeprägt als in den übrigen Altersstufen.

3.5.2 Der Scratchtest

Beim Scratchtest wird die Haut oberflächlich angeritzt und anschließend das Allergen aufgetragen. Der Test hat viele unspezifisch positive Reaktionen und wird daher nur noch selten angewendet.

3.5.3 Der Intrakutantest

Beim Intrakutantest wird die Testlösung oberflächlich in die Haut gespritzt. Er dient z.B. zur Diagnostik von Insektengiftallergien.

3.5.4 Der Reibtest

Bei besonders starker Sensibilisierung z.B. gegen Tierhaare genügt oft ein vorsichtiges Reiben über 60 Sekunden mit den Tierhaaren auf der Haut, um eine Hautreaktion hervorzurufen. Für einen Reibtest wird ein kräftiges Büschel Haare benötigt, etwa so viel wie bei einem mittelgroßen Malpinsel.

3.5.5 Der Patch-Test (=Epikutantest)

Der Patch-Test wird bei Kindern hauptsächlich als sogenannter Atopie-Patch-Test zur Überprüfung allergischer Auslösefaktoren bei Neurodermitis verwendet. Er erfasst die allergischen Spätreaktionen, die erst innerhalb von Stunden bis Tagen nach Allergenkontakt auftreten, besser als der Pricktest oder RAST. Der Patchtest dient auch zur Ursachensuche bei Kontaktallergien der Haut (z.B. Hautausschlägen an Körperstellen, an denen Schmuck getragen wird).

Die Testsubstanzen werden mit Hilfe eines hautfreundlichen Pflasters mit der Haut, meist am Rücken, in Kontakt gebracht. Sie verbleiben 24 bis 48 Stunden auf der Haut. Eine positive Reaktion äußert sich als Anhebung der Haut, Bildung kleiner Bläschen oder Knötchen.

3.5.6 Wann kann ein Hauttest nicht durchgeführt werden?

Eine ganze Reihe von Faktoren können die Reaktionsbereitschaft der Haut verändern und die Aussagefähigkeit eines Hauttests beeinträchtigen. Hauttests sollen daher in folgenden Situationen nicht durchgeführt werden:

3.5.7 Gibt es Nebenwirkungen durch Hauttests?

Bei der bei weitem überwiegenden Anzahl von Hauttests sind außer einem Juckreiz und evtl. einer Schwellung an der Teststelle keine Reaktionen zu erwarten. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn der verdächtigte Allergieauslöser zuvor Allgemeinreaktionen (z.B. einen ausgedehnten Hautausschlag) oder Schockreaktionen hervorgerufen hat. Dies kann z.B. bei Insektengiftallergien oder Nahrungsmittelallergien der Fall sein. In solchen Situationen wird das Allergen in sehr hohen Verdünnungen zur Testung verwendet und Notfallmedikamente werden bereitgehalten. Wenn ein möglicherweise mit größeren Nebenwirkungen behafteter Test keine Konsequenzen für die Behandlung hat, sollte er ganz unterbleiben.

3.6 Allergietestung im Blut
Linie Kapitelüberschrift

Unterschieden werden muss zwischen Untersuchungen, die lediglich einen Hinweischarakter auf allergische Erkrankungen haben und Untersuchungen, welche spezifisch allergieauslösende Antikörper nachweisen können.

3.6.1 Untersuchungen mit Hinweischarakter auf eine allergische Erkrankung

Die Anzahl der Eosinophilen im Blut, eine spezielle Sorte weißer Blutkörperchen, kann bei Allergien, jedoch auch bei Parasitenbefall (z.B. Würmer) erhöht sein. Auch die Bestimmung des Gesamt-IgE im Blut ist zum Beweis einer Allergie ungeeignet. Die Werte für Allergiker und Nichtallergiker überlappen stark, auch andere Erkrankungen können zu erhöhten Werten führen.

3.6.2 Nachweis spezifischer IgE-Antikörper (RAST)

Allergische Sofortreaktionen werden durch spezifische Antikörper aus der IgE-Klasse vermittelt (siehe auch Pfeil Kapitel 16). Diese allergenspezifischen IgE-Antikörper richten sich hochspezifisch gegen einzelne Allergene (z.B. Birkenpollen) und können mit verschiedenen Verfahren im Blutserum nachgewiesen werden. Meist wird der RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test) verwendet. Das Ergebnis wird in RAST-Klassen angegeben: Klasse 0 = negativ, Klasse 1 = zweifelhaft, Klasse 2 = schwach positiv, Klasse 3 = positiv, Klasse 4 = stark positiv. Ein anderes Laborsystem (CAP®) verwendet die Klassen 0 bis 6. Vorteile des RAST sind die Unabhängigkeit vom Hautzustand, vom Lebensalter sowie vorausgegangener Medikamentengabe. Er ist jedoch im Vergleich zum Pricktest etwas weniger empfindlich und teurer. Auch ist das Ergebnis nicht sofort verfügbar. Er wird bevorzugt bei kleinen Kindern, denen eine umfangreiche Hauttestung nicht zugemutet werden kann und bei Personen mit chronischen Hautveränderungen (z.B. Ekzemen) durchgeführt.

3.6.3 Nachweis spezifischer IgG-Antikörper

Bei einer Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis) wird nach spezifischen Antikörpern der IgG-Klasse gesucht. Zum Nachweis einer Nahrungsmittelallergie sind IgG-Antikörper nicht geeignet, da sie eine normale Antwort des Organismus auf den Kontakt mit verschiedenen Nahrungsmitteln darstellen. Auch bei Insektengiftallergien können sich IgG-Antikörper bilden. Sie dürfen jedoch nicht als schützende Antikörper interpretiert werden.

3.6.4 Histaminfreisetzungstest

Weitere Laboruntersuchungen wie der Histaminfreisetzungstest sind wegen ihres Aufwandes Spezialfällen vorbehalten. Beim Histaminfreisetzungstest werden weiße Blutkörperchen im Labor mit Allergieauslösern in Kontakt gebracht und beobachtet, ob Histamin freigesetzt wird.

3.7 Provokationstests
Linie Kapitelüberschrift

Kann mit den oben angeführten Untersuchungen eine Allergie nicht zweifelsfrei diagnostiziert werden, wird ein Provokationstest erforderlich. Beim Provokationstest wird das zu untersuchende Organ direkt mit dem angeschuldigten Allergen in Kontakt gebracht und somit eine allergische Reaktion provoziert.

3.7.1 Provokation der Nasenschleimhaut: Nasale Provokation

Die Lösung mit dem angeschuldigten Allergen wird in ein Nasenloch auf die untere Nasenmuschel aufgebracht. Eine positive Reaktion äußert sich als wässrige Absonderung und Schwellung der Nasenschleimhaut, als Vergleich dient die mit einer neutralen Lösung behandelte andere Nasenseite. Zusätzlich kann die Änderung des Luftwiderstandes in der Nase vor und nach Aufbringen des Allergens bestimmt werden (Rhinomanometrie). Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig und störanfällig, sodass es vor allem bei Kindern nicht routinemäßig angewendet wird.

3.7.2 Provokation der Bindehaut: Konjunktivale Provokation

Die Allergenlösung wird in den unteren Bindehautsack eingetropft. Eine positive Reaktion zeigt sich in einer Anschwellung der Bindehautgefäße und einer Absonderung von Tränenflüssigkeit.

3.7.3 Provokation des Magendarmtraktes: Orale Provokation

Nahrungsmittelallergien lassen sich in vielen Fällen durch Hauttests oder Laboruntersuchungen nicht ausreichend abklären, da viele Personen positive Allergietests haben, ohne dass dies mit Krankheitszeichen verknüpft ist. Zum Beweis einer Nahrungsmittelallergie werden daher in der Regel zunächst ein oder mehrere angeschuldigte Nahrungsmittel aus der Ernährung ausgeschlossen (Auslass- oder Eliminationsphase). Verschwinden oder bessern sich daraufhin die Beschwerden, spricht dies bereits für einen ursächlichen Zusammenhang. Den sicheren Beweis bringt jedoch nur die erneute Gabe des verdächtigten Nahrungsmittels, was dann zum erneuten Auftreten der Beschwerden führen muss (Provokationsphase). Die aussagekräftigste Methode der Provokation mit Nahrungsmitteln ist die sogenannte doppel-blind placebokontrollierte Provokation bei der weder Arzt noch Patient wissen, was verabreicht wird. Die Allergene werden dabei in Medikamentenkapseln oder einer Flüssigkeit versteckt verabreicht (siehe auch Pfeil Kapitel 7 Nahrungsmittelallergien). Auch bei vermuteten Medikamentenallergien führt oft nur eine orale Provokation zum Ziel. Das angeschuldigte Medikament wird vorsichtig in ansteigenden Dosen verabreicht und die Reaktion des Patienten genau beobachtet. Bei der Abklärung von Allgemeinreaktionen oder Schockzuständen darf die orale Provokation nur bei entsprechender Überwachungs- und Notfallbehandlungsmöglichkeit durchgeführt werden!

3.8 Lungenfunktionsuntersuchung
Linie Kapitelüberschrift

Zur Diagnose, Verlaufs- und Therapiekontrolle bei Asthma bronchiale und anderen chronischen Lungenerkrankungen werden Lungenfunktionsuntersuchungen eingesetzt (siehe auch Pfeil Kapitel 5.4 Asthma bronchiale). Die Lungenfunktionsuntersuchungen setzen die Mitarbeit des Patienten voraus. Einfachere Lungenfunktionsprüfungen gelingen etwa ab einem Alter von vier bis fünf Jahren. In einigen Spezialkliniken kann bereits bei Säuglingen die Lungenfunktion gemessen werden. Verschiedene Methoden der Lungenfunktionsprüfung stehen zur Verfügung:

Peak-Flow-Meter

3.8.1 Peak-Flow-Meter

Die einfachste Möglichkeit ist die Messung des maximalen Luftflusses bei Ausatmung (Peak-Flow) mit einer relativ einfachen Vorrichtung, dem Peak-Flow-Meter.

Damit können ohne großen Aufwand auch häusliche Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden.

Das Peak-Flow-Meter erfasst jedoch nur gröbere Einschränkungen der Lungenfunktion und liefert bei Verengung der kleinen Atemwege trotzdem normale Werte!

3.8.2 Fluss-Volumen-Spirometrie

Wesentlich aussagekräftiger ist die Aufzeichnung des Luftflusses bei Ein- und Ausatmung in einer Fluss-Volumen-Kurve. Hierdurch können bereits geringgradige Veränderungen der Lungenfunktion und auch Verengungen der kleinen Atemwege dokumentiert werden. Bei verengten Bronchien nimmt das Ausatmungsvolumen ab und die Fluss-Volumen-Kurve bekommt eine Delle ("hängende Wäscheleine").

3.8.3 Atemwiderstandsmessung

Der Atemwiderstand zeigt an, welchen Widerstand die Atemluft in den Bronchien überwinden muss. Er kann mit verschiedenen Methoden gemessen werden. Bei einer Bronchialverengung steigt der Atemwiderstand an.

3.8.4 Bodyplethysmographie

Die aufwändigste Methode ist die Untersuchung in der Lungenfunktionskammer (Bodyplethysmographie). Neben der Fluss-Volumen-Kurve und dem Atemwiderstand liefert sie auch Aussagen über eine mögliche Lungenüberblähung.

3.8.5 Bronchospasmolysetest

Beim Bronchospasmolysetest wird nach Inhalation eines bronchialerweiternden Medikaments eine zweite Lungenfunktionsprüfung durchgeführt. Dabei zeigt sich, wie weit sich die Bronchien öffnen können und ob eine Verengung rückbildungsfähig ist.

3.8.6 Bronchiale Provokationstests

Die bronchialen Provokationstests können eine bronchiale Überempfindlichkeit unter Belastungsbedingungen nachweisen. Man kann damit unter anderem ein Asthma bronchiale von anderen Lungenerkrankungen zu unterscheiden. Folgende bronchiale Provokationstests können eingesetzt werden:

3.9 Weitere Zusatzuntersuchungen
Linie Kapitelüberschrift

3.9.1 Röntgenuntersuchung

Bei akuten Atemwegsproblemen zeigt eine Röntgenuntersuchung der Lunge, ob z.B. eine Lungenentzündung vorliegt. Bei chronischen Atemwegsproblemen muss nach angeborenen Fehlbildungen oder chronisch entzündlichen Veränderungen der Lunge gesucht werden. In bestimmen Fällen kann eine Computertomographie oder Kernspintomographie notwendig werden. Bei Verdacht auf eine Vereiterung der Nasennebenhöhlen als Komplikation einer allergischen Erkrankung wird evtl. eine Röntgenuntersuchung der Nasennebenhöhlen erforderlich.

3.9.2 Tympanometrie und Hörtest

Sind die Ohren in Form von Ergüssen im Mittelohr beteiligt, wird eine schmerzlose Messung der Trommelfellbeweglichkeit (Tympanometrie) vorgenommen. Bei einem ausgeprägten Paukenerguss bewegt sich das Trommelfell nicht mehr. Ein Hörtest zeigt eine mögliche Beeinträchtigung des Hörvermögens durch Mittelohrergüsse.

3.9.3 Schweißtest

Eine Mukoviszidose (= Cystische Fibrose) kann ein Asthma bronchiale vortäuschen. Es handelt sich dabei um eine angeborene Stoffwechselstörung, die vor allem zu einer Beeinträchtigung der Funktion der Lunge und der Bauchspeicheldrüse führt. Beim Schweißtest wird der Salzgehalt im Schweiß gemessen, welcher bei der Mukoviszidose erhöht ist.

3.9.4 Bronchoskopie

Bei der Bronchoskopie werden Luftröhre und Bronchien mit einer starren oder flexiblen Optik direkt beurteilt. Man kann Entzündungen, Fremdkörper oder Aussackungen in den Bronchien erkennen und auch Gewebsproben entnehmen.

3.10 Abschließende Bewertung und Besprechung
Linie Kapitelüberschrift

Die Zusammenschau und Bewertung aller erhobenen Befunde liefert zum Schluss die Diagnose und auch die Grundlage für die sich anschließende Therapie, die Ihr Kinder- und Jugendarzt mit Ihnen besprechen wird. Informationen zur Therapie der verschiedenen allergischen Erkrankung und des Asthma bronchiale finden Sie in den folgenden Kapiteln.

3.11 Welcher Arzt der richtige?
Linie Kapitelüberschrift

Bei allen Problemen sollten Sie zunächst Ihren Kinder- und Jugendarzt ansprechen. Er kann in der Regel eine allergologische Grunddiagnostik durchführen und eine Behandlung einleiten. Für spezielle und schwierigere Fragestellungen ist für die meisten Probleme für Säuglinge, Kinder und Jugendliche der allergologisch qualifizierte Kinder- und Jugendarzt der richtige Ansprechpartner. Er kennt sich mit dem wachsenden Organismus von Kindern und Jugendlichen am besten aus und ist trotz seiner Spezialisierung nicht nur für ein Organ zuständig. So kann er die Diagnostik und Behandlung, die bei allergischen Erkrankungen meist mehrere Organsysteme betrifft (z.B. Nase und Augen; Lunge und Nasennebenhöhlen; Magendarmtrakt und Haut) am besten koordinieren und im Bedarfsfall weitere Fachkollegen oder eine Allergieambulanz an einer Kinder- und Jugendklinik einschalten. Sie erkennen allergologisch besonders weitergebildete Ärzte daran, dass sie hinter ihrem Facharzttitel die Zusatzbezeichnung "Allergologie" führen. Sie finden diese Ärzte über Verzeichnisse, welche die regionalen Krankenkassen herausgeben; ebenso können die Bezirksärztekammern Auskunft geben.

 

3.12 Zusammenfassung
Linie Kapitelüberschrift

Die Diagnose einer Allergie verläuft in verschiedenen Schritten: Nach der Erhebung der Krankengeschichte erfolgt die körperliche Untersuchung. Mit einem Bluttest können allergieauslösenden Antikörper direkt nachgewiesen werden, mit Hauttests kann die Reaktion des Immunsystems auf den Allergieauslöser an der Haut beobachtet werden. Eine Allergietestung ist bereits ab dem Säuglingsalter möglich. In unklaren Fällen muss das betroffene Organ direkt mit dem vermuteten Allergieauslöser in Kontakt gebracht und die Reaktion beobachtet werden (Provokationstest). Bei Verdacht auf ein überempfindliches Bronchialsystem oder ein Asthma bronchiale ist eine Lungenfunktionsuntersuchung erforderlich. Eventuell werden auch weitere Zusatzuntersuchungen wie ein Röntgenbild der Lunge oder ein Schweißtest durchgeführt.

 

© Dr. P.J.Fischer - pina 8/2002
Seitenanfang Seitenanfang