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Drogenabhängigkeit und Schwangerschaft

Opiatabhängigkeit beeinträchtigt das hypothalamisch-hypophysäre System. Durch den verminderten Einfluss der LH/FSH-Releasing Hormone sind Zyklusunregelmäßigkeiten oder sekundäre Amenorrhoe häufig bei drogenabhängigen Frauen. Oft haben sich die Frauen bereits an das Ausbleiben der Menstruation gewöhnt und somit eine Kontrazeption nicht vorgenommen. Eine Schwangerschaft wird aufgrund fehlender Körperwahrnehmung von den Frauen selbst nicht erwartet und erst spät (ab der 20. SSW) bemerkt.

Dabei kommt es gerade bei den Frauen, die eine Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin beginnen, häufig wieder zu einer Wiederherstellung ihrer körperlichen und psychosozialen Homöostase und somit zum Einsetzen regelmäßiger ovulatorischer Zyklen mit Wiedererlangen ihrer Empfängnisfähigkeit. Immer wieder betreuen wir aber auch Frauen, die sich in einer derart desolaten psychosozialen Situation mit ungebremstem Konsum von mindestens 2-3 Substanzen und Alkohol, befinden, dass die Schwangerschaft rein biologisch kaum zu erklären ist. Viele dieser Frauen verlieren ihre Kinder bereits in der Frühschwangerschaft, andere auch noch im 2. Trimenon, ohne hierzu einen Arzt oder eine Hebamme zu konsultieren. Alle Frauen bei denen eine Schwangerschaft bekannt wird oder vermutet wird, gilt es über niedrigschwellige Angebote an einen Frauenarzt/-in und eine Drogenambulanz heranzuführen. Viele schwangere abhängige Frauen meiden Vorsorgeuntersuchungen, da sie fürchten, bei bekannt werden ihrer Drogensucht, das Sorgerecht für das Kind zu verlieren oder polizeilich im Rahmen laufender Verfahren der Beschaffungskriminalität aufgegriffen zu werden. Die Einbindung in ein Drogensubstitutionsprogramm sollte das primäre Ziel in der pränatalen Betreuung sein. Nicht nur, dass toxische Einzelsubstanzen wegfallen, sondern vor allem die, gerade für den Einfuß auf die neurologische Entwicklung bzw. Plastizität, unberechenbare Kombination und Interaktion mehrerer Substanzklassen und Alkohol wird deutlich gemindert. Viele Mütter können wieder an einem weitgehend sortierten Leben teilnehmen, große Zeiträume für Drogenbeschaffung und Rausch können ebenso wegfallen, wie nahezu tägliche Phasen des Entzuges bzw. körperliche und seelische Sensationen, die wiederum mit anderen Substanzen kupiert werden.

Die Schwangerschaft wird ambivalent erlebt. Zwar bestehen Schuldgefühle gegenüber dem ungeborenen Kind bezüglich der weiterbestehenden regelmäßigen Drogeneinnahme. Gleichzeitig weckt die Schwangerschaft jedoch auch Hoffnungen, durch die Geburt des Kindes den entscheidenden Anstoß zur Lösung von der Sucht zu bekommen oder aus der sozialen Isolation zu entkommen. Dabei ist es wichtig den Frauen früh offen darzulegen, dass eine stabile Situation während der Schwangerschaft mit bereits in dieser Zeit beginnender Gestaltung der eigenen Lebensperspektive und der des Kindes, eine sehr viel bessere Prognose für den Verbleib des Kindes in der eigenen Familie hat. Planung, Kostenerstattungsverfahren und Wartezeiten auf Therapieplätze überschreiten nicht selten den Klinikaufenthalt des Kindes und können so eine vorübergehende Trennung von Mutter und Kind (Bereitschaftspflege) mit sich bringen, in der die Gefahr von Rückfällen und wieder zunehmenden Kontakten zur Szene besonders groß ist.